Für manche ist es das Kribbeln im Bauch, für andere das ungewollte Dauergrinsen. Für den Biologen ist der richtige Mix aus Hormonen, für den Philosophen die Eudaimonia. Um es in Studien zu messen, wird es zur Lebenszufriedenheit, aber ist das dann nicht ganz schnell schon wieder toxische Positivität? Es ist kompliziert, sehr individuell und fällt leider nicht einfach vom Himmel. Es ist Staatsziel, Gegenstand zahlreicher Studien und wenn man es nicht hat, fühlt man sich schlecht. Scheint wichtig zu sein? Ist es auch und deshalb wird es Zeit aufzuklären. Über das Glück.

 

Aber was ist Glück denn nun genau? Eigentlich ist es auch nur ein Gefühl wie Trauer, Angst oder Wut, aber wenn davon gesprochen wird, wie man glücklich werden kann, ist damit mehr gemeint als eine zeitlich begrenze empfundene Freude über einen Moment oder ein Ereignis. Es wäre unmöglich dieses Hochgefühl dauerhaft aufrechtzuerhalten, vielmehr geht es darum allgemein langfristig positiv gestimmt und mit seinem Leben im Reinen zu sein. Diesen Zustand erreicht niemand von heute auf morgen, aber er ist durchaus erreichbar, und zwar für jeden. Bei den Einflussfaktoren spricht man von den „vier Gs“ Gesundheit, Gemeinschaft, Geld und Genetik. Ja, auch Genetik.

 

Zu 30-40% steckt das Glück tatsächlich in unseren Genen. Dabei geht es um verschiedene Genvarianten, die zum Beispiel beeinflussen können, wie gut das Glückshormon Serotonin im Gehirn andocken und dadurch verstärkt Glücksgefühle erzeugen kann. Das Genom der Dänen hat dabei die meisten „Glücksgenvarianten“ und tatsächlich landet Dänemark auch immer sehr weit oben beim internationalen Glücksranking, ebenso die Nationen, deren Genom nur leicht von dem der Dänen abweicht. Ob jemand also eher zum Optimismus oder eher zum Pessimismus neigt, kann allein anhand der Gene festgestellt werden. Trotzdem handelt es sich hier nur um eine Neigung und ob diese tatsächlich auch ausgeprägt wird, hängt noch von den anderen drei Gs ab.

 

Die Lebensumstände, zu denen auch Gesundheit und Geld zählen, machen weitere 10% unseres Glücks aus. Warum Gesundheit das Glück positiv beeinflusst, scheint logisch zu sein. Gesunde Menschen haben schlicht mehr Möglichkeiten, wenn es darum geht sich selbst zu verwirklichen, sich Träume zu erfüllen und sein Leben frei zu gestalten. Was nicht heißt, dass gesunde Menschen immer glücklicher sind als kranke Menschen. Alte Menschen beispielsweise haben zwar oft einiges an Diagnosen, trotzdem sind sie meist viel zufriedener mit ihrem Leben und brauchen verglichen mit jüngeren Personen weniger zum Glücklichsein. Gesundheit verhilft einem also nur dann zu mehr Glück, wenn man sie benötigt, um Dinge zu tun, die einen glücklich machen.

Beim Geld verhält es sich eigentlich relativ ähnlich. „Geld regiert die Welt“ sagt man doch so schön und darum können mit Geld auch einige Probleme gelöst werden. Die Miete für eine Wohnung kann bezahlt werden und gegen den Hunger kann Essen gekauft werden. Durch Geld werden also grundlegende Bedürfnisse gesichert und wenn diese abgedeckt sind, hilft Geld ebenso wie Gesundheit dabei, so zu leben, dass es einen glücklich macht. Lange dachte man, dass es ein Limit bei mehr als 75 000 € Jahreseinkommen gibt, ab dem man durch Geld sein Glück nicht mehr steigern kann. Tatsächlich zeigte eine große Studie 2023, dass Menschen noch bis weit über 200 000€ Jahreseinkommen durch mehr Geld glücklicher werden können. Dies gilt allerdings nicht für die, deren Probleme nicht finanzieller Herkunft sind und deshalb durch Geld auch nicht gelöst werden können. Man kann also durchaus reich und unglücklich sein und dann bringt es leider auch nichts noch reicher zu werden. Als glücklicher oder ärmerer Mensch kann mehr Geld allerdings durchaus glücklicher machen.

 

Die letzten 50% sind weder vom Geld, noch von der Gesundheit oder den Genen abhängig sondern lediglich von uns selbst. Was genau dabei von Bedeutung ist, wurde in einer Harvard-Langzeitstudie untersucht, bei der seit 1938 insgesamt 2000 Menschen auf ihrem Lebensweg verfolgt und auf ihre Lebenszufriedenheit untersucht wurden. Drei Generationen kamen dabei insgesamt zusammen und die Ergebnisse zeigten: Mit guten Beziehungen, die das Gefühl von Verbindung, Zugehörigkeit und Unterstützung vermitteln, ging immer eine höhere Zufriedenheit einher. Egal welche Art von sozialer Beziehung, ob mit Partner*in, Familie, Freund*innen oder Nachbarn, das alltägliche Leben gewann dadurch enorm an Qualität und wurde daher auch mit mehr Glück wahrgenommen. Das letzte G, die Gesellschaft, macht also den Großteil unseres Glücks aus.

 

Doch wie genau, wird man denn nun glücklich? Dafür lohnt sich vielleicht die Betrachtung der Entstehung des Glücksgefühls. Diese basiert vor allem auf den Glückshormonen Serotonin, Dopamin, Adrenalin, Oxytocin, Phenetylamin und den Endorphinen. Sie alle haben sowohl den psychischen Einfluss, durch den wir uns wohl, gut, glücklich fühlen, als auch einen physischen Einfluss wie zum Beispiel Schmerzlinderung, bessere Konzentration und eine bessere Schlafqualität. Glücklich kann also auch gesünder bedeuten. Das macht man sich auch im Krankenhaus zu Nutze, wo zum Beispiel die Krankenhausclowns Patienten in bessere Stimmung versetzen und sie dadurch in ihrer Therapie unterstützen sollen. Glücks-hormone können also gezielt durch verschiedene Aktivitäten ausgeschüttet werden.

  1. Serotonin wird produziert, wenn wir uns in der Sonne aufhalten, daher kommt auch die gute Stimmung im Frühling. Schon durch 30 Minuten Gesicht in der Sonne pro Tag, wird genug Serotonin ausgeschüttet, um uns ausgeglichener, stressresistenter und zufriedener zu machen.
  2. Dopamin ist ein Hormon, das für Vorfreude und inneren Antrieb sorgt und wird besonders während körperlicher Aktivität an frischer Luft ausgeschüttet. Daher kommt auch das Glücksgefühl nach dem Sport, das uns motiviert, weiterzumachen.
  3. Auch Endorphine werden beim Sport freigesetzt. Sie sind ein körpereigenes Schmerzmittel und sind daher auch bei Verletzungen in hoher Konzentration im Körper vorzufinden. Auch beim Musik hören, tanzen und singen werden sie in hoher Menge produziert, wahrscheinlich der Grund, warum feiern so glücklich macht.
  4. Adrenalin wird oft als Stresshormon bezeichnet, da es vor allem in körperlichen und geistigen Stresssituationen vermehrt gebildet wird. Es sorgt allerdings auch für den bekannten „Adrenalin Kick“, durch den wir uns nach der Stresssituation in einem Stimmungs-hoch befinden.
  5. Das bekannte Gefühl von Schmetterlingen im Bauch, wenn man verliebt ist, wird durch Phenetylamin ausgelöst und versetzt eine verliebte Person in, naja, diesen Verliebtheitszustand.
  6. Das letzte Hormon wird auch als Kuschelhormon bezeichnet, denn Oxytocin wird bei körperlicher Berührung freigesetzt und sorgt zum Beispiel für die starke Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem. Durch dieses Hormon fühlen wir uns bei Berührung mit einer vertrauten Person wohl und geborgen, es kann sich dabei übrigens auch um ein Haustier handeln.

 

Besonders beim Lachen werden auch viele Glückshormone wie Serotonin, Dopamin und Endorphine ausgeschüttet, dabei ist es noch nicht einmal wichtig, ob es echt ist. Das Stichwort hier ist Lachyoga… Wer es weniger peinlich möchte, kann auch durch die Ernährung für ein hormonelles Gleichgewicht sorgen, das macht allerdings nur in Kombination mit anderen glücksbringenden Aktivitäten auch Sinn. Im Hinterkopf behalten sollte man es allerdings trotzdem, denn die Produktion von Glücks-hormonen und deren Gegenspielern kann durch viele unterschiedliche Dinge ausgelöst werden, unter anderem auch durch verschiedene Lebensmittel. Man vermutet, dass auch Depressionen teilweise auf einem hormonellen Ungleichgewicht beruhen.

 

Insgesamt helfen Sport, Meditation, Yoga, frische Luft, Erfolgserlebnisse und vor allem soziale Beziehungen dabei, sein Glücksempfinden zu steigern und mit dem „Hier und Jetzt“ zufriedener zu werden. Allerdings sollte das Motto nicht sein: „Good vibes only“.

 

Denn mit Glück ist keinesfalls toxische Positivität gemeint! Probleme sollten nie geleugnet, angehäuft und ignoriert werden, auch wenn es einen gewissen gesellschaftlichen Druck gibt, der es uns schwer macht, auch negative Emotionen anzunehmen. Dieser konstruktive Umgang, indem man sich Problemen zuwendet und sich Hilfe holt, ist allerdings sehr wichtig, denn Studien zeigen, dass negative Gefühle stärker werden, je länger man sie ignoriert.

Seid also ruhig optimistisch aber macht euch nichts vor, wenn mal nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist.

 

Wenn es darum geht, glücklich zu werden, stößt man schnell auf Kalendersprüche, die einfach klingen, jedoch schwer umzusetzen sind. Das heißt jedoch nicht, dass man nicht glücklich werden kann. Menschen denen wir uns anvertrauen können, Tiere zum Kuscheln, Sport, Wert-schätzung im Job, eine Meditation am Abend, ein Dankbarkeitstagebuch. All das sind Methoden, mit denen die Lebenszufriedenheit deutlich gesteigert werden kann. Aber auch persönliche Freiheit und das Gefühl von Sicherheit in einem Staat können eine Rolle spielen, ebenso wie Geld und sogar unsere Gene.

Sehr viele Faktoren können beeinflusst werden und das sollte eine Motivation sein, selbst einmal zu hinterfragen, warum man eigentlich so lebt, wie man lebt. Macht mich dieses Leben glücklich? Erfülle ich nur Erwartungen? Und was kann ich vielleicht verändern? Denn verändern kann man viel.

Von irma

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